Jürgen Mümken
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Die Garantie der Freiheit ist die Freiheit. - Michel Foucault

Anti-Atom-Kampf auf Briefmarke
Hundertwasser-Sonderbriefmarke für Nationalpark Donau-Auen


Die österreichische Postverwaltung hat im letzten Jahr anlässlich des 20. Jahretages des Beginnes der Auseinandersetzung um den Bau des Atomkraftwerkes Hainburg eine Briefmarke verausgabt. Als Motiv nahm sie ein von Friedrich Hundertwasser entworfenes Plakat anlässlich der Donau-Au-Besetzung in Hainburg. „Die freie Natur ist unsere Freiheit“ ist so auf der Briefmarke aus Österreich zu lesen. Vor 20 Jahren konnte der Bau des Donaukraftwerks Hainburg erfolgreich verhindert werden. "Hainburg" geriet zum Symbol für erfolgreiches Agieren der BürgerInnen gegen obrigkeitsstaatliches Vorgehen.

Das Atomkraftwerk in Hainburg war seit 1952 geplant, aber erst 1982 setzte die Donaukraftwerke AG (DoKW) endgültig zum Vollausbau der Donau-Staukette an. Jetzt fehlte nur noch das Kraftwerk. Im Februar 1983 startete der WWF seine Kampagne "Rettet die Auen". An die 20 Umweltgruppen gründeten schließlich die "Aktionsgemeinschaft gegen das Kraftwerk Hainburg". Am 8. Dezember 1984 fand ein "Sternmarsch" mit ca. 8.000 Menschen zu der Donau-Au statt. Mehrere hundert Personen blieben in der Au und erzwangen die Einstellung der Rodungsarbeiten. Nachdem die Au zum Sperrgebiet erklärt worden war, kam es am 19. Dezember zu einem brutalen Polizeieinsatz. Bei den Zusammenstößen zwischen 2.000 PolizistInnen und 4.000 Au-BesetzerInnen wurden 26 Personen verletzt. Am selben Nachmittag demonstrierten in Wien rund 40.000 Menschen gegen das Vorgehen der Regierung und gegen den Kraftwerksbau. Am 21. Dezember verhängte die Bundesregierung einen Rodungsstopp. Anfang 1985 hob der Verwaltungsgerichtshof aufgrund einer von den KraftwerksgegnerInnen eingebrachten Beschwerde den Wasserrechtsbescheid für das Kraftwerk Hainburg wegen Rechtswidrigkeit auf. Das bedeutete auch rechtlich den Baustopp und aufschiebende Wirkung bis zur Sanierung des Wasserrechtsverfahrens, was allerdings nie mehr geschieht. Das Atomkraft wurde nie gebaut. Seit 1996 gehört die Hainburger Au zum Nationalpark Donau-Auen.