Jürgen Mümken
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Die Garantie der Freiheit ist die Freiheit. - Michel Foucault

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Maurice Schuhmann
Die Weite des Raumes

15 Jahre nach der Veröffentlichung seiner gleichnamigen Diplomarbeit bei Edition Ergon hat Jürgen Mümken seine Arbeit grundlegend überarbeitet, zu einem Grossteil neu verfasst und beim Verlag Edition AV publiziert. Den Überlegungen zur Bedeutung des Raums in der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts dem Philosophen Michel Foucaults und seines Landmanns, dem Stadtsoziologen Henri Lefévbre folgend untersucht Jürgen Mümken in vier Kapiteln jenes Konzept in Relation zur „Macht“ und Herrschaft (im Sinne von Ordnung, Kontrolle und Disziplinierung).

Der erste Teil von Mümkens Arbet widmet sich dem Verhältnis von „Macht und Raum“. Darin thematisiert er den Raum als historisches Projekt, um ihn anschliessend Foucault folgend im Zusammenhang mit Macht und Wissen zu analysieren – sowie mit einen Exkurs zu den Überlegungen von den beiden französischen Philosophen Deleuze und Guattari zu unternehmen.

Im Zuge des zweiten und dritten Kapitels behandelt er – ebenfalls auf Foucault referierend – behandelt er die Fragen und Zusammenhänge von „Disziplinierung, Regulierung und Normalisierung durch die Ordnung des Raums“ und von „Macht, Raum und Kontrolle“. Als Beispiele greift er dabei spannenderweise die Stadtentwicklung in Paris zwischen der Französischen Revolution und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts heraus, anhand derer er den Zusammenhang von Macht und Raum sehr plastisch darstellt. Ebenso ist die Verbindung von Hygiene und Raum ein sehr spannender Aspekt, den er herausgreift und darstellt, eben sowie Fragen bezüglich Militarisierung des öffentlichen Raums. Hier hätte man sich manchmal mehr Mut zu eigenen Thesen gewünscht – statt der „reinen“ Wiedergabe bereits von anderen Autoren untersuchter Phänomene. Jene Abschnitte, die wir er selber im Vorwort schreibt, hat er fast unverändert aus seiner Diplomarbeit übernommen, was man ihnen passagenweise auch anmerkt. An manchen Stellen würde ich mir da gelegentlich mehr eigene Thesen wünschen.

Der letzte Teil wagt einen Ausblick und Übertragung dessen auf das spätestens seit den 70er Jahren verstärkt fokussierte Thema der „Umkämpften Räumen“, wie sie sich u.a. in der Form von Gentrifizierung und Protest gegen Gentrifizierung konstituieren. Hierin geht es ihm auch den von der „Macht“ produzierten Widerstand gegen selbige zu thematisieren.

Insgesamt hat er damit eine gut lesbare Darstellung des Themenkomplexes vorgelegt, die wie mir scheint auch gerade für Laien eignet, sich mit dem Themenkomplex Raum und Bedeutung von Raum in Bezug auf Macht- und Herrschaftsstrukturen zu beschäftigen sowie einen Einstieg in die Auseinandersetzung mit Foucaults Begriff der Macht ermöglicht.