Jürgen Mümken
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Die Garantie der Freiheit ist die Freiheit. - Michel Foucault

B. Akunin: Fandorin / Türkisches Gambit, Aufbau Taschenbuch Verlag

Nichts mit Anarchie
In Rußland feiert der Krimi-Autor "B.Akunin" Erfolge

Nein, es sind keine unbekannten Manuskripte aufgetaucht. Bakunin hat (leider) keine Kriminalromane geschrieben. B. Akunin – genauer gesagt bei Boris Akunin – ist das Pseudonym des Moskauer Philologen, Kritikers, Essayisten und Übersetzer aus dem Japanischen Grigori Schtschartischwili (geb. 1956). Obwohl er erst 1998 seinen ersten Kriminalroman veröffentlichte, gehört er mittlerweile zu einem er meistgelesenen Autoren Russlands.
Zwei seiner Romane sind mittlerweile in Russland verfilmt worden. B. Akunin, der sich selbst von Tolstoi und Dostojewski schriftstellerisch beeinflusst sieht, bemerkte in einem Interview: „Ich spiele leidenschaftlich gern. Früher habe ich Karten gespielt, dann strategische Computerspiele. Schließlich stellte sich heraus, dass Krimis schreiben noch viel spannender ist ab Computerspiele. Meine ersten drei Krimis habe ich zur Entspannung geschrieben...".
Im Aufbau Taschenbuch Verlag sind jetzt die ersten beiden Romane in deutscher Übersetzung erschienen. Die Romane von Akunin spielen in einer längst vergangen Zeit, als Russland noch einen Zar hatte. Genauer gesagt 1876 (Fandorin) und 1877 (Türkisches Gambit). Erast Fandorin, der Protagonist guten aber verarmten Hause und arbeitet als Neuling in einer Schreibstube der Moskauer Polizei. Als sich im Moskauer Alexandergarten ein Student aus unerklärlichen Gründen erschießt und sein Vermögen einen wohltätigen Zweck vermacht, bekommt Fandorin die Chance selber Ermittlungen anzustellen. Als er bei seinen ersten Ermittlungen vor einer Kaschemme beinahe erstochen wird, ist er fest davon überzeugt, dass sich hinter dem Selbstmord des Studenten ein finsteres Geheimnis steckt. Fandorin wird von seinem Chef nach London geschickt, um eine geheimnisvolle Frau zu suchen, die anscheinend in den Ereignissen verwickelt ist. Fandorin muss jetzt ne Reihe von Abenteuer überstehen, bis er der Lösung auf die Spur kommt.
„Türkisches Gambit“ spielt vor dem Hintergrund des russisch-türkischen Krieges. Die junge Russin Warja macht sich in Männerkleidern alleine auf den Weg nach Bulgarien an die Front, wo ihr Verlobte als Chiffrieren in der russischen Armee dient. Auf den Weg dahin gerät sie in einer bulgarischen Gaststätte in großer Gefahr. In höchster Not kommt ihr Fandorin zur Hilfe. Er ist im Auftrag des russischen Geheimdienstes nach Bulgarien zum Generalstab unterwegs. Fandorin bekommt den Auftrag einen Verräter zu enttarnen, der Angriffspläne der russischen Armee verraten hat. Dabei wird Warja zu einer unentbehrlichen Helferin Fandorins.
Nach dem Lesen der beiden Roma warum der Autor das Pseudonym B, Akunin benutzt. Die Romane haben nichts mit Anarchismus zu tun. Trotzdem sind sie sehr lesenswert. Interessant und spannend geschrieben, geben sie trotzdem einen Einblick in die russische Gesellschaft. Aber lest selbst und lasst Euch vom Ende der beiden Romane überraschen. Bin gespannt auf weitere Romane von B. Akunin.