Jürgen Mümken
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Die Garantie der Freiheit ist die Freiheit. - Michel Foucault

Oliver Steinke: Füchse der Ramblas, Verlag Edition AV

Füchse der Ramblas

Eine Prostituierte wird ermordet, ein gewöhnlicher Krimi, wäre da nicht Zeit und Ort: Barcelona im Jahre 1955. Der Polizeioffizier Varela will keine Untersuchung des Falles, denn der anarchosyndikalistische Stadtguerillero Francisco Sabaté (1915-1960), genannt „el Quico“ – der Fuchs –, befindet sich mal wieder in der Stadt. Auch 16 Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges und dem Sieg der FaschistInnen, gibt es noch Widerstand und Sabaté ist ein prominenter Teil davon. Immer wieder kommt er aus Frankreich illegal über die Grenze und führt zusammen mit GenossInnen militante Aktionen durch. Er steht ganz oben auf der Wunsch- und Fahndungsliste von Francos Schergen und diesmal soll er auf keinen Fall entkommen. Varela will alle Kräfte in der Stadt mobilisieren, um Sabaté zu erledigen. Was ist der Mörder einer Prostituierte gegen einen unbeugsamen und widerständigen Anarchisten. Aber da gibt es noch die Polizisten Juliano und Aragón, die den Tod der Prostituierten Rosa Pares ungedingt aufklären wollen. Die beiden Polizisten machen sich unabhängig von einander auf die Suche nach dem oder die Mörder. Jeder für sich, denn das Misstrauen bestimmt alles und jeden!
Die Menschen in Barcelona haben den Traum der Freiheit noch nicht ausgeträumt. Die Erlebnisse und Erfahrungen des kurzen Sommers der Anarchie sind noch nicht vergessen und leben in den Hoffnungen der Menschen weiter. Das Gefühl der Freiheit haben die ArbeiterInnen nur noch bei den Spielen des FC Barcelona, der im Gegensatz zu 2005 im Jahr 1955 wieder nicht Meister wird. Die Menschen haben Angst und fürchten der Repression der katholisch-faschistischen Diktatur Francos.
Bei der Suche nach dem Mörder von Rosa stoßen die ermittelnden Polizisten Juliano und Aragón immer wieder auf die verdrängte Vergangenheit der sozialen Revolution, die im Spätsommer 1936 die Stadt zur Commune machte. Aragón lernt die Tante von Rosa kennen und erfährt über sie einiges über die Soziale Revolution. Die Wege von Juliano, der als Kind die Revolution und deren Niederlage, auf dem Land er- und überlebte, kreuzen sich mit denen von Sabaté. Dieser wird am 9. Januar 1960 von der Guardia Civil ermordet, dass ist aber eine andere Geschichte und kann in „Sabaté. Stadtguerilla 1945-1960“ von Antonjo Tellez nachgelesen werden.
Oliver Steinke ist es gelungen die Suche nach dem Mörder, die Stimmung des Jahres 1995 mit Rückblicken auf die Soziale Revolution und den BürgerInnenkrieg zu verbinden, so das es nie langweilig wird, und das Ende auf jeden Fall wissen will. Für die einen ist es ein Krimi, für die anderen ein historischer Roman – auf jeden Fall lesensweit.